Kasuistik

Diagnostik und Management des Irvine-Gass-Syndroms

Fallbericht eines postoperativen zystoiden Makula­ödems mit interdisziplinärer Zusammenarbeit
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Veröffentlicht am:
1 M.Sc., FEAOO
2 Dr. med., FEBO
3 Augenzentrum Kettenbrücke, Innsbruck, Austria
Schlüsselwörter
Kataraktoperation
zystoides Makulaödem
Irvine-Gass-­Syndrom
Sehschärfenminderung
Monofokal Plus-IOL
Lese­brille
Keywords
Cataract surgery
cystoid macular edema
Irvine-Gass syndrome
reduced visual acuity
NSAIDs
monofocal plus-IOL
reading glasses
Zusammenfassung

Zweck. Ein 87-jähriger Patient stellte sich sechs Wochen nach einer komplikationslosen Kataraktoperation zur Abschlusskontrolle und zur Verordnung einer Lesebrille vor. Die bei der Operation implantierte Intraokularlinse war mit dem Ziel einer klaren Fernsicht ausgewählt worden. Bei der Abschlusskontrolle zeigte sich jedoch eine unerwartet verringerte Sehschärfe in der Ferne, die zunächst nicht eindeutig erklärbar war.

Material und Methoden. Die Untersuchung des vorderen Augenabschnitts wurde mithilfe einer Spaltlampe (BQ 900, Haag-Streit, Köniz, Switzerland) durchgeführt. Die Bestimmung der bestkorrigierten Sehschärfe erfolgte unter standardisierten Bedingungen unter Verwendung des Refraktionssystems Nidek RT 6100 (Nidek Co., Ltd., Gamagōri, Japan) mit Zahlenoptotypen bei einer Umgebungsbeleuchtung von 100 Lux. Zur Beurteilung des hinteren Augenabschnitts wurden hochauflösende Fundusfotos mit dem Clarus 500 (Carl Zeiss Meditec AG, Oberkochen, Germany) sowie optische Kohärenztomographien mit dem Cirrus 6000 (Carl Zeiss Meditec AG, Oberkochen, Germany) angefertigt. Ergänzend erfolgte eine manuelle Untersuchung der retinalen Peripherie unter Verwendung einer Volk-Linse 78D (Keeler, Windsor, UK).

Ergebnisse. Im Rahmen der bildgebenden Diagnostik und der ophthalmologischen Untersuchung konnte ein zystoides Makulaödem beider Augen nachgewiesen werden, sodass die Diagnose eines Irvine-Gass-Syndroms gestellt wurde. Therapeutisch erfolgte eine Kombination aus topischen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs), oraler Gabe von Carboanhydrasehemmern sowie einer subtenon Kortikosteroid-Injektion. Unter dieser Behandlung zeigte sich eine deutliche Rückbildung des Makulaödems, einhergehend mit einer signifikanten Verbesserung der Sehschärfe. In der Folge konnte die geplante Anpassung und Verordnung der Lesebrille erfolgreich umgesetzt werden.

Fazit. Ein zystoides Makulaödem stellt eine relevante Komplikation nach Kataraktoperation dar und kann zu einer vorübergehenden Sehverschlechterung führen. Durch frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie lässt sich die Sehfunktion in den meisten Fällen wiederherstellen.

Abstract

Purpose. An 87-year-old patient presented for a final check-up and prescription of reading glasses six weeks after uncomplicated cataract surgery. The intraocular lens implanted during the operation had been selected with the aim of achieving clear distance vision. However, the final check-up revealed an unexpected reduction in distance visual acuity, which could not initially be clearly explained.

Material and Methods. The anterior segment of the eye was examined using a slit lamp (BQ 900, Haag-Streit, Köniz, Switzer­land). Best-corrected visual acuity was determined under standardized conditions using the Nidek RT 6100 refraction system (Nidek Co., Ltd., Gamagōri, Japan) with number optotypes at an ambient illumination of 100 lux. High-resolution fundus photographs were taken with the Clarus 500 (Carl Zeiss Meditec AG, Oberkochen, Germany) and optical coherence tomography was performed with the Cirrus 6000 (Carl Zeiss Meditec AG, Oberkochen, Germany) to assess the posterior segment of the eye. This was supplemented by a manual examination of the retinal periphery using a Volk 78D lens (Keeler, Windsor, UK).

Results. Imaging diagnostics and ophthalmological examination revealed cystoid macular edema in both eyes, leading to a diagnosis of Irvine-Gass syndrome. Treatment consisted of a combination of topical nonsteroidal anti-inflammatory drugs (NSAIDs), oral administration of carbonic anhydrase inhibitors, and subtenon corticosteroid injection. This treatment resulted in a significant reduction of the macular edema, accompanied by a significant improvement in visual acuity. As a result, the planned fitting and prescription of reading glasses could be successfully implemented.

Conclusion. Cystoid macular edema is a serious complication after cataract surgery and can lead to temporary vision deterioration. In most cases, vision can be restored through early diagnosis and targeted therapy.

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