Editorial: Fixationsdisparität

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1*Pennsylvania College of Optometry at Salus University, Augen- und Sehzentrum Optometrie Cagnolati GmbH

„Über binokulare Prüfverfahren, das binokulare Sehen, seine nicht krankhaften Anomalien und ihren optischen Ausgleich“ lautet eine Publikation des im Jahr 1980 im Verlag Willy Schrickel, Düsseldorf herausgegebenen Buchs „Binoku- lare Korrektion“. Autor dieses Beitrags war der damalige Dozent der HFOF Berlin (heute Berliner Hochschule für Technik (BHT) Hans-Joachim Haase, der Namensgeber der von ihm entwickelten „Mess- und Korrektionsmethodik nach H. J. Haase (MKH)“. Forschung im Bereich des Binokularsehens wird in Berlin schon seit 1937 verstärkt durchgeführt, nachdem der Vater der deutschen Optometrie Peter Abel das von dem britischen Optometristen A. E. Turville entwickelte TIB-Verfahren (Turville Infinitive Balance Test) an der damaligen „Deutschen Schule für Optik und Fototechnik“ einführte.

Forschung und Ausbildung im Bereich des Binokularsehens ist bis heute weiterhin eine Domäne der Berliner Schule. Dies zeigt sich auch in dem frühen internationalen akademischen Austausch der Berliner Ausbildungs- stätte mit verschiedenen angelsächsischen Universitäten. Hierzu gehören unter anderem die Kontakte von H. J. Haase mit der Indiana University, School of Optometry und dem legendären Professor Henry Hofstetter, der die damalige HFOF Berlin im Jahr 1961 und 1975 besuchte, um sich mit H. J. Haase fachlich auszutauschen – aber auch der gerade vom späteren Direktor der Berliner Schule Dr. Helmut Goersch forcierte fachliche Dialog mit dem ebenfalls international sehr bekannten Professor David Pickwell von der School of Optometry and Vision Science der University of Bradford zählt hierzu.

Trotz vieler in der Zwischenzeit durchgeführter wissenschaftlicher und klinischer Studien, existieren bis heute immer noch einige nicht abschließend geklärte wissenschaftliche und klinische Fragestellungen im Kontext der MKH und der mitunter notwendigen Korrektion von Heterophorien. Hier steht gerade seit geraumer Zeit die Fixationsdisparität im Zentrum verstärkter Forschungsaktivitäten. Verantwortlich hierfür sind insbesondere Messver- fahren wie das Eye Tracking oder die Search-Coil-Methode1,2, mit deren Hilfe zwischen einer objektiven und subjektiven Fixationsdisparität unterschieden werden kann.

In der vorliegenden OCL widmen sich nun Wissenschaftler und Kliniker unterschiedlichen Fragestellungen der Fixationsdisparität. Komplettiert wir die OCL-Ausgabe noch durch eine Fallserie bezüglich der Untersuchung von Kindern mit „Autismus-Spektrum-Störungen“, was diese OCL für Experten aus den Bereichen Kinderoptometrie und Kinderophthalmologie besonders interessant macht. Beschwerdefreies und nicht nur gutes Sehen sollte das Ziel jeder Sehhilfenverordnung sein. Ein aktuelles und profundes Wissen für den Bereich des Binokularsehens ist hierfür unerlässlich.

Ihr Wolfgang Cagnolati


Literaturverzeichnis

1Houben, M. M. J., Goumans, J., van der Steen, J. (2006). Recording Three- Dimensional Eye Movements: Scleral Search Coils versus Video Oculography. Invest. Ophthalmol. Vis. Sci., 47, 179-187.
2Schmitt, K. U., Muser, M. H., Lanz, C., Walz, F., Schwarz, U. (2007). Comparing eye movements recorded by search coil and infrared eye tracking. J. Clin. Monit. Comput., 21, 49-53.